| Das gesellige Kegeln gehört zu den häufigsten Sportarten. Über 5 Mio. Menschen betreiben diesen Freizeitsport, wobei es einige hunderttausend gibt, die das Sportkegeln betreiben. Aber wie hat das eigentlich begonnen? Schon vor über hundert Jahren war es Piräes Universallexikon gelungen im Nachschlagewerk einige Seiten dem Kegelspiel zu widmen. Dies ist 1860 in Altenburg erschienen. Gekegelt wurde auf gestampften Lehmbahnen draußen vor der Tür. Ein Original-Replikat ließ das Museumsdorf Cloppenburg nachdrechseln. Im Gegensatz zu den heutigen Figuren waren die "Holzbauern" nicht flaschenförmig, sondern Kopf, Hals und Rumpf waren nur angedeutet. Welche Spiele und Regeln damals üblich waren zeigt der folgende Auszug aus Piräes Lexikon. "Kegelspiel: Ein Spiel, welches mit 9 Kegeln gespielt wird. Die Kegel sind meist zu 3 und 3 im Viereck so aufgestellt, dass eine Ecke dem Spieler zugekehrt ist und derselbe anscheinend fünf Reihen Kegel vor sich hat. Der mittelste der so aufgestellten Kegel heißt der König. Nach den Kegeln wird mit einer hölzernen Kugel geschoben oder geworfen, um sie umzuwerfen. Zur Betreibung des Kegelns dient der Kegelschub und man unterscheidet den Lang- und Kurzschub." Was für eine interessante Sprache! Damals waren die Bahnen aus Lehm oder Ton geschlagen, mit feinem Sand oder Hammerschlag bestreut oder aus Bohlen zusammengesetzt, wie wir es noch heute kennen. Es wurden aber auch Marmorplatten aufgelegt. Am Anfang der Bahn war auch damals schon ein starkes Brett in die Bahn eingelassen auf welches der Spieler die Kugel aufwerfen durfte - das hieß deshalb Auflegebrett. Wer die Kugel über dasselbe Brett hinausschob und den Sand traf, machte einen "Sandhasen" und wurde bestraft. Stieß die Kugel an irgendeinen Gegenstand an, so nannte man dieses einen "Jammerochsen". Damals gab es noch aufrecht stehende Seitenbretter. Bei uns heißt das heute, wenn die Kugel in die Rinne kommt "Pumpe" oder "Pudel" - sehr zum Verdruss des Spielers und zur Freude des Gegners! Die Kegelkugeln wurden seinerzeit über einen Rücklauf zum Spieler zurückgeführt und hatte 5 - 7 Zoll im Durchmesser. Sie wurden aus Eiche, Birke, Buchsbaum, Guajak oder Buckeholz gefertigt. Wenn man mit einer Kugel alle Kegel auf einmal traf, dann hieß das "Matschen" oder "Matsch machen". Wer nicht alle Kegel umschob musste dann die übrig gebliebenen dem nächst-folgenden Spieler zurechnen, d. h. mit "Überhalten spielen". Derjenige, der den letzten Kegel schob, bekam eine doppelte Nummer, einen so genannten "Branntwein" oder eine "Branntwein-Nummer". Ob daher der Ausdruck "Saufkegeln" stammt??? Diese Art des Kegelns wurde so gespielt, dass jeder Mitspielende anfangs zwei Kugeln, später eine zu schieben hatte. Nach jeder einzelnen Kugel wurde wieder aufgestellt. So wurden aber auch drei Kugeln geschoben. Wenn nicht wieder neu aufgesetzt wurde, sondern nur nachdem neun Kegel gefallen oder acht um den König gefallen waren oder der Spieler alle drei Kugeln geworfen hatte und dann die Gesamtsumme berechnet wurde, so hieß diese letzte Art des Kegelns "Lübeckern". Viele Ausdrücke wie "Partens" (eigentlich Parteiens) "Borde-Partie" oder "Anecken" gab es zu der damaligen Zeit, wobei wenn die mittelsten Kegel getroffen wurden, dies ein "Stich" war. Das wurde besonders honoriert. Blieb der König alleine stehen, so hieß dieses "Kranz" oder "Schur", und wenn der vorderste Kegel alleine stand, so hieß das "Vorderschur". Bei uns ist das heute eine "Acht um's Vordereck oder Vorderholz" und es kostet in der Regel eine Runde für die Anwesenden. Diese Namen sind glücklicherweise nicht mehr bekannt, zumal dies ja seinerzeit ein geselliges Kegeln war. Wir betreiben hingegen das Sportkegeln, was nun wirklich mit dem geselligen Kegeln nichts zu tun hat |